holz-pirat.de  >  Fundsache Boot

Im Winter 2001 entschieden meine Sohn Moritz – damals 6 Jahre alt – und ich jetzt doch endlich segeln zu erlernen. Hierzu brauchten wir natürlich noch ein Boot, eines für zwei Menschen – Vater und Sohn eben.

Ich begann verschiedene Anlaufpunkte anzusteuern. Das Schwarze Brett des Segelvereins, die Kleinanzeigenseite der Lokalzeitung, Anzeigenzeitungen für gebrauchte Boote, das Internet, und so weiter. Da wir uns beide einig waren, dass Kunststoffboote in Jollengröße irgendwie nicht das sind, was wir uns so vorgestellt haben und mein Sohn festgelegt hat, dass (wie in der klassischen Kinderliteratur nachgelesen werden kann) ein vernünftiges Boot nur ein Piraten-Boot sein kann und eigentlich aus Holz sein muss, machten wir uns auf die Suche.

Nun wohnen wir in Süddeutschland. Wie jeder weiß, der Landstrich mit der "größten" Seglertradition der ganzen Bundesrepublik. Allerdings kann man sich eben manches mal doch auf den Zufall und sein Glück verlassen und so entdeckten wir unsere Fundsache – ein Pirat aus Holz.

Uns wurde ein Holzboot angeboten, das "nur etwas abgestaubt und mit eins, zwei, drei Handgriffen wieder schwimmen würde" – na ja, um ehrlich zu sein, der Verkäufer hatte uns natürlich erklärt, dass es schon einiges an Geschick und Zeit braucht, bis wir uns denn wirklich mit dem Fund wieder zum Segeln aufmachen könnten. Die Substanz und der Zustand des Holzes war eigentlich gut, aber wie auf den Bildern zu erkennen ist muss einiges getan werden, dass unserer Boot wieder so richtig schwimmt.

So stand unser Boot ca. 2 Jahre...



...in einer Halle in der Nähe von Nürnberg und wartete auf sein weiteres Schicksal. Der Staub sammelte sich auf seinem Deck und der Straßentrailer rostete vor sich hin.


Diese Nummer 1297 ist an der Rumpfinnenseite hinter den Mast angebracht. Es ist die Segelnummer des Piraten. Inzwischen haben wir die Werft bestimmen können: VEB Yachtwerft Berlin. Ein Vorbesitzer hat das Schild entfernt und an der Stelle sein Namensschild angebracht. Leider ist das Originalschild verloren gegangen. Das Beispiel, das hier zu sehen ist gehört zum Piraten von David Urban – vielen Dank für das Foto. Vielleicht hat jemand noch ein solches Schild übrig?



Hier sieht man einige der Bodenbretter und kann sich einen Eindruck vom Zustand des Rumpfes machen. Das Holz ist trocken und wir haben auch keine fauligen oder verrotteten Stellen gefunden – zumindest bei der ersten Durchsicht. Wir hoffen, dass der Bootsbauer, der uns den Rumpf wieder auf Vordermann bringen soll, nicht doch noch eine marode Stelle findet.



Auf diesem Foto hat man noch mal den Blick in den Rumpf. Unser Pirat war mit einem Klappmast ausgestattet. Der Mastfuß ist sehr stark beschädigt und wohl mal notdürftig mit irgendeinem Kunststoffgewebe geflickt worden. Wir werden versuchen einen entsprechenden Mast auf dem Gebrauchtmarkt aufzutreiben.



Hier sieht man den Schwertkasten. Wir hoffen sehr, dass es seinem Innenleben gut geht und nicht dort einige unschöne Überraschungen für uns warten. Oberflächlich betrachtet sind wir zumindest guter Dinge.



Dieses Foto habe ich einem Freund gezeigt und der hat gleich gefragt, ob ich zu viel Zeit übrig hätte und bei welchem Nervenarzt ich denn in Behandlung wäre.